Letzte Lieder: Lebenslieder zwischen Musik und Erinnerung
- 12. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
11.01.2026:
Gelungener Jahresauftakt beim Hospizverein Lebensfreude
Ein Abend, der lange nachklingt – genau so einer war die Veranstaltung „Letzte Lieder“ mit dem Journalisten Stefan Weiller am 11. Januar 2026 in der Pfarrkirche Maria Geburt in Bad Laer.
Schon beim Ankommen wurde klar: Das hier wird kein gewöhnlicher Abend. Draußen klirrende Kälte, drinnen warmes Licht, davor Glühwein, Getränke und sogar Schnitzelbrötchen – beste Voraussetzungen also, um sich körperlich wie seelisch zu rüsten. Und nötig war das durchaus, denn das, was folgte, ging tief unter die Haut.
Veranstaltet wurde der Abend vom Hospizverein „Lebensfreude“ Bad Laer, der seinem Namen alle Ehre machte. Die leitende Koordinatorin Adriane Brandt führte einfühlsam in den Abend ein und schuf gleich zu Beginn eine Atmosphäre der Offenheit und Verbundenheit mit den Zuhörern in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche und den Inhalten des beeindruckenden Projekts von Stefan Weiller: Seit Jahren besucht er Menschen im Hospiz und stellt ihnen eine ebenso einfache wie große Frage – „Was ist die Musik Ihres Lebens?“ Oder: Welches Lied soll bleiben? Aus diesen Begegnungen entstehen Geschichten, die berühren, trösten, zum Lachen bringen und zum Nachdenken anregen. Weiller erzählte sie mit viel Feingefühl, trockenem Humor und einer wunderbar wachen Interaktion mit dem Publikum, das sich immer wieder spontan einbezogen fühlte. Schwerer Stoff – aber nie schwerfällig.
Musikalisch getragen wurde der Abend von einem Projektchor mit stolzen über 80 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Anne Eckelkamp. In zehn intensiven Proben hatte der Chor sechs Lieder erarbeitet, die bewusst Wünsche und Lieblingslieder Sterbender aufgriffen. Leonhard Cohens „Halleluja“, U2 „With or without you“, die Lieder ware mal leise, mal kraftvoll, mal tröstend, mal hoffnungsvoll – stets passend zu den erzählten Geschichten. Begleitet wurde der Chor von Petra Schulke am Klavier sowie den Musikern Gerd Eveslage (Gitarre), Klaus Rosemann (E-Bass) und Max Rosemann am Cachon, die den Klangraum der Kirche eindrucksvoll füllten.
Apropos Kirche: Die Pfarrkirche Maria Geburt zeigte sich an diesem Abend von ihrer schönsten Seite. Durch gezielt eingesetzte Scheinwerfer wurde der Raum stimmungsvoll illuminiert, Ton und Technik lagen in den souveränen Händen von Lukas Eckelkamp. Auf drei Leinwänden wurden die Moderation und die Geschichten mit ausdrucksstarken, stimmungsvollen Fotos visualisiert – ein Zusammenspiel von Wort, Bild und Musik, das den Abend rund machte.
Mit 500 Besucherinnen und Besuchern war die Kirche restlos ausverkauft. Und obwohl die Veranstaltung über drei Stunden dauerte, blieb die Aufmerksamkeit ungebrochen. Es wurde gelacht, geschluckt, geschwiegen – und immer wieder tief durchgeatmet. Die Mischung aus bewegenden Lebensgeschichten, viel Musik und Weillers humorvoller Leichtigkeit machte den Abend abwechslungsreich und zutiefst menschlich.
Am Ende gingen viele mit feuchten Augen, aber warmem Herzen nach Hause – vielleicht auch mit einem Lied mehr im Gepäck, das sie künftig anders hören werden. „Letzte Lieder“ war kein Abschied, sondern eine Feier des Lebens. Und genau das machte diese Veranstaltung so besonders und zeigte auch, wofür der Hospizverein Lebensfreude Bad Laer steht: für einfühlsame Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen sowie Unterstützung ihrer Angehörigen. Diese wichtige Arbeit wird überwiegend ehrenamtlich geleistet und ist auf Spenden und Engagement angewiesen. Wer dazu beitragen möchte, dass Menschen am Lebensende nicht allein sind, ist eingeladen, den Verein Lebensfreude Bad Laer zu unterstützen.
Kontakt: Hospizverein Lebensfreude, Am Bach 1 49196 Bad Laer TEL.05424-644 89 14, www.hospizverein-bad-laer.de Spendenkonto DE 58 2656 2490 0604 5650 00











